Eidgenössisches Jodlerfest
Interlaken
16. - 19. Juni 2011

Jodeln – die Geschichte

„Jodeln“ ist weit über die Landesgrenzen hinaus unzähligen Leuten ein Begriff. Diese Kunst wird oft mit Schweizer Tradition und Folklore in Verbindung gebracht. Doch was genau ist Jodeln eigentlich?

Laut Definition bedeutet Jodeln Singen ohne Text auf Lautsilben bei häufigem, schnellem Umschlagen zwischen Brust- und Falsettstimme (Registerwechsel). Weitere Kennzeichen des Jodelns sind grosse Intervallsprünge und ein weiter Tonumfang.

Ursprünge des Jodelns

Die Ursprünge des Jodelns gehen auf vorhistorische Zeiten zurück. Bereits Hirten und Sammler, Waldarbeiter und Köhler verständigten sich jodelnd. Oft wurde von Alp zu Alp mit einem Almschrei oder einem Juchzer kommuniziert. Nicht selten lockte man das Vieh mit einem Jodler an.

Verbreitung des Jodelns

Jodeln kann aus historischer Sicht bei weitem nicht auf die Alpenländer reduziert werden. Kommunikationsformen des Jodelns existieren seit jeher bei den afrikanischen Pygmäen, bei den Inuit, im Kaukasus, in Melanesien, Palästina, China, Thailand und Kambodscha. Hinzu kommen die USA, Spanien, Schweden, Polen, Rumänien wie auch Bulgarien.

Das klassische Jodeln, wie wir es heute kennen, ist vornehmlich in der volkstümlichen Musikszene zu hören. Sowohl das deutsche Bundesland Bayern, Österreich als auch die Schweiz können namhafte Jodler vorweisen. Der Schweizer Peter Hinnen erhielt 1992 gar einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde. Grund: Er stellte mit 22 Jodel-Tönen in einer Sekunde den Weltrekord im Schnelljodeln auf. Hoch im Kurs steht momentan die Jodlerfamilie Oesch’s die Dritten, die mit ihrer Art zu jodeln 2008 den Sprung in die Schweizer Hitparade schafften. 

Alpenländisches Jodeln

Der Jodler wurde im alpenländischen Volkslied zum Jodel-Lied musikalisch weiterentwickelt. Es wird zwischen dem gesungenen Jodler und dem geschlagenen Jodler unterschieden. Während der gesungene Jodler nur in der Bruststimme und meist in kurzen Sequenzen zwischen Liedversen gesungen wird, wechseln beim geschlagenen Jodler Brust- und Falsettstimme kunstvoll und häufig ab. Diese Jodler verlangen von den Künstlern viel Stimmakrobatik. Ursprünglich wurden die Jodler oft solistisch praktiziert. Besonders in der Schweiz aber auch im übrigen Alpenraum hat sich im 19. Jahrhundert das Jodeln in Chören entwickelt.

Jodeln in den USA und Australien

In den USA und Australien kam dem Jodeln in der Country-Musikszene schon früh ein hoher Stellenwert zu. Anfangs des 19. Jahrhunderts entstanden in den Appalachen erste Verbindungen zwischen dem alpenländischen Jodel und den anglo-amerikanischen Traditionen. Gastspiele Österreichischer und Schweizer Musiker weckten in den 30er Jahren das Interesse einer breiten Öffentlichkeit. Folglich traten vermehrt amerikanische Künstler mit diesem Musikstil auf. Zeitgleich beeinflusste der Blues den aufkommenden Jodel. Der amerikanische Country-Sänger Jimmie Rodgers entwickelte 1927 das Blue Yodeling. Dabei mischte er Elemente des Blues mit solchen der traditionellen, weissen Musik und reicherte sie mit Jodlern an. Nicht nur in der Country-Musik hielt der Jodel Einzug. Der Jodel-Gesang ist auch heute noch ein bedeutender Bestandteil der Western Music. So setzte der Jazz-Künstler Leon Thomas beispielsweise das Jodeln als Stilmittel beim Scat ein und stützte sich dabei auf ur-afrikanische Einflüsse wie das Jodeln der Pygmäen. 

Unsere Vorjodler